... globale Bestandsaufnahme dieses Prozesses, Teil 1 mit Weblink
von 7 Manik am 22.09.2012 um 13:54 Uhr (Bearbeitet: 22.09.2012 14:10)

¬†Hier aus demselben Wikipedia-Beitrag eine globale Bestandsaufnahm des Prozesses der Gletscherschmelze, der f√ľr jeden sichtbar seit Mitte des 18. Jahrhunderts dramatisch zugenommen hat und im Sommer 2012 einen H√∂hepunkt erreicht hat. ¬† Lieben Gru√ü 7 Manik ¬†

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Gletscherschmelze

Globale Bestandsaufnahme des Prozesses

 

Die nachfolgende eingehendere Bestandsaufnahme der weltweiten Gletscherschmelze ist dreiteilig gegliedert in mittlere Breiten, tropische Zone und Polarregion. Dem liegt nicht allein die Anlehnung an g√§ngige geografische Unterscheidungsmuster zugrunde, sondern auch die Tatsache, dass f√ľr die Eisbildung und Gletscherschmelze in diesen drei Zonen jeweils besondere Voraussetzungen bestehen. Auch hinsichtlich der zu erwartenden Folgen eines fortgesetzten Abschmelzungsprozesses ergeben sich f√ľr die k√ľnftigen Lebensbedingungen von Menschen spezifische Unterschiede.

 

Gletscher mittlerer Breite

 

Gletscher mittlerer Breite befinden sich entweder zwischen dem n√∂rdlichen oder s√ľdlichen Wendekreis und einem der Polarkreise. In diesen jeweils 4.785¬†km breiten Regionen gibt es Gebirgsgletscher, Talgletscher und auf h√∂heren Gebirgen auch kleinere Eiskappen. Alle diese Gletscher befinden sich in Gebirgsz√ľgen, u.¬†a. dem Himalaja, den Alpen, den Pyren√§en, den Rocky Mountains, den patagonischen Anden in S√ľdamerika oder auch auf Neuseeland. Je n√§her die Gletscher dieser Breiten den polaren Regionen sind, desto ausgedehnter und massiver sind sie. Die Gletscher mittlerer Breite sind die in den letzten 150 Jahren am gr√ľndlichsten untersuchten. Wie auch die tropischen Gletscher, gehen praktisch alle Gletscher der mittleren Breite zur√ľck und weisen eine negative Massenbilanz auf.

 

Alpen

In den 1970er Jahren gab es in den Alpen etwa 5.150 Gletscher, die eine Fl√§che von 2.903¬†km¬≤ bedeckten (davon 1342¬†km¬≤ in der Schweiz, 602¬†km¬≤ in Italien, 542¬†km¬≤ in √Ėsterreich und 417¬†km¬≤ in Frankreich). Eine Studie √ľber die Entwicklung dieser Gletscher in den Alpen seit 1850 kommt zu dem Ergebnis, dass bis 1970 bereits 35¬†% der urspr√ľnglich vorhandenen Gletscherfl√§che verschwunden war und dass sich dieser Schwund bis 2000 auf ann√§hernd 50¬†% vergr√∂√üert hat.[16] Das bedeutet, dass bereits die H√§lfte der ehemals von Gletschern bedeckten Fl√§che durch den R√ľckgang des Eises freigelegt worden ist.

Der World Glacier Monitoring Service (WGMS) berichtet alle f√ľnf Jahre √ľber Ver√§nderungen des Endpunkts von Gletschern √ľberall auf der Erde.[17] Nach seinem aktuellen Bericht (1995–2000) gingen in den Alpen in diesem 5-Jahres-Zeitraum 103 von 110 untersuchten Gletschern in der Schweiz, 95 von 99 Gletschern in √Ėsterreich, alle 69 Gletscher in Italien und alle 6 Gletscher in Frankreich zur√ľck. Der Glaziologe Gernot Patzelt berichtet √ľber 100 vom √Ėsterreichischen Alpenverein beobachtete Gletscher, dass durch deren R√ľckgang derzeit Land freigelegt werde, das seit wenigstens 1.300 Jahren st√§ndig vergletschert war.[14] Gleichzeitig betont er jedoch, dass Funde von Torfen und Baumst√§mmen belegen, dass diese Gebiete fr√ľher teilweise von L√§rchenw√§ldern bedeckt waren und dass die aktuellen Gletscherst√§nde historisch gesehen „nicht au√üergew√∂hnlich" seien. Holz- und Torffunde aus den Mor√§nen von Gletschern in den Alpen lassen darauf schlie√üen, dass einige Gletscher im Laufe des Holoz√§n mitunter wesentlich weiter zur√ľckgegangen waren als dies derzeit der Fall ist.[18][19][20] Andere Gletscher sind nachweislich seit wenigstens 5.000 Jahren nicht kleiner gewesen als heute.[21]

 

Die franz√∂sischen Gletscher gingen in den Jahren 1942–1953 stark zur√ľck, dann dehnten sie sich bis 1980 wieder etwas aus, und seit 1982 schrumpfen sie erneut. Seit 1870 zogen sich z.¬†B. der Argenti√®re-Gletscher und der Mont Blanc-Gletscher um 1.150¬†m beziehungsweise um 1.400¬†m zur√ľck. Der gr√∂√üte Gletscher in Frankreich, das Mer de Glace, das heute 11¬†km lang und 400¬†m dick ist, hat in den letzten 130 Jahren 8,3¬†% seiner L√§nge (~1¬†km) verloren. Au√üerdem wurde er im Mittelteil seit 1907¬†um 27¬†% (≈ 150¬†m) d√ľnner. Der Bossons-Gletscher in Chamonix hat sich seit Anfang des Jahrhunderts um 1.200¬†m zur√ľckgezogen.

 

Eine Studie aus dem Jahr 2005, die 91 Schweizer Gletscher untersuchte, ergab, dass 84 Gletscher sich gegen√ľber 2004 zur√ľckgezogen hatten und die restlichen 7 keine Ver√§nderung zeigten. Keiner der untersuchten Gletscher dehnte sich aus.[22] Nach dem schweizerischen Gletschermessnetz haben in der Messperiode 2006/07 von 89 ausgewerteten Gletschern 86 weiter an L√§nge verloren. Zwei ver√§nderten ihre Zungenposition nicht, blieben also station√§r und bei einem wurde ein leichter Vorsto√ü gemessen.[23]

 

 

 

Der Große Aletschgletscher, links im Jahre 1979, in der Mitte im Jahre 1991 und rechts 2002.

 

Die Gletscher in den Alpen ziehen sich heute zudem schneller zur√ľck als noch vor einigen Dekaden. So verlor der Triftgletscher in nur vier Jahren, von 2002 bis 2005, 500¬†m oder 10¬†% seiner vorherigen L√§nge.[24] Der Gro√üe Aletschgletscher, der mit einer L√§nge von 22,9¬†km der l√§ngste Gletscher der Alpen ist, hat sich seit 1870¬†um knapp 2.800¬†m zur√ľckgezogen. Seine R√ľckzugsgeschwindigkeit hat sich ebenfalls erh√∂ht. Seit 1980 sind 965¬†m geschmolzen.[25] Allein 2006 b√ľ√üte er fast 115¬†m an L√§nge ein (2007 waren es etwa 32¬†m). Heute hat der Aletschgletscher in etwa die gleiche Ausdehnung wie w√§hrend des Klimaoptimums der R√∂merzeit (200 v. Chr. bis 50 n. Chr.).[26] Vor etwa 3.300 Jahren war er w√§hrend des Bronzezeit-Optimums etwa 1.000 Meter k√ľrzer als heute.[26]

 

Auch der Morteratschgletscher schwindet. Seit dem Anfang der j√§hrlichen L√§ngemessungen 1878 verlor er bis 1995 etwa 2¬†km seiner L√§nge. Im Durchschnitt zog sich der Gletscher also um etwa 17¬†m pro Jahr zur√ľck. In der j√ľngsten Vergangenheit erh√∂hte sich die durchschnittliche Abschmelzgeschwindigkeit: Zwischen 1999 und 2005 betrug sie 30¬†m pro Jahr.[27] √Ąhnlich wie die Gletscher der Schweizer Alpen zogen sich 1980 in den italienischen Alpen (1989 waren dort ca. 500¬†km¬≤ vergletschert) nur etwa ein Drittel der Gletscher zur√ľck. 1999 waren es 89¬†%. Und von 2004 bis 2005 haben sich sogar alle Gletscher der italienischen Alpen zur√ľckgezogen.[28]

Szenarien f√ľr das 21. Jahrhundert zeigen an, dass bei einer durchschnittlichen Erw√§rmung um 3¬†¬įC bis ins Jahr 2100 die Gletscher der Alpen etwa 80¬†% der im Zeitraum zwischen 1971–1990 noch vorhandenen Fl√§che verloren haben k√∂nnten. Das entspr√§che nur noch einem Zehntel der Ausdehnung von 1850. Eine Erw√§rmung um 5¬†¬įC k√∂nnte praktisch jeden alpinen Gletscher verschwinden lassen.[29]

 

Die Folgen des Gletscherr√ľckgangs in den Alpen wurden im Juli 2006 besonders durch die Felsabst√ľrze am schweizerischen Eiger sichtbar. Mehr als 500.000 Kubikmeter Felsen st√ľrzten am 13. Juli auf den Unteren Grindelwaldgletscher. Insgesamt gelten bis zu 2 Millionen m3 Gestein mit einem Gewicht von f√ľnf Millionen Tonnen als absturzgef√§hrdet. Ursache f√ľr die Abbr√ľche ist u.a. der R√ľckgang von Gletschern, die √ľberh√§ngende Bergteile st√ľtzten, und das Schmelzen von st√§ndig gefrorenen Gebieten (Permafrost), in denen zerkl√ľftetes Gestein vom Eis wie von Kleber zusammengehalten wurde.

 

Nordeuropa

 

 

Wasserabgabe des Jostedalsbreen im Sommer 2004

Nicht nur in den Alpen, sondern auch in anderen Gebieten Europas schwinden die Gletscher. Die n√∂rdlichen Skanden im Norden Schwedens erreichen eine H√∂he von bis zu 2.111¬†m (Kebnekaise). Zwischen 1990 und 2001 gingen dort 14 von 16 in einer Studie untersuchten Gletschern zur√ľck, von den beiden √úbrigen wuchs einer und einer blieb stabil.[30] Auch in Norwegen, wo es 1.627 Gletscher gibt, die eine Fl√§che von ca. 2.609¬†km¬≤ bedecken, ist ein Gletscherr√ľckgang, unterbrochen von einigen Perioden mit Wachstum um 1920, 1925 und in den 1990ern, zu beobachten. In den 1990ern wuchsen 11 von 25 beobachteten norwegischen Gletschern, da die winterlichen Niederschlagsmengen mehrere Jahre in Folge √ľberdurchschnittlich hoch waren.

Seit 2000 gehen die Gletscher aufgrund mehrerer Jahre mit geringen winterlichen Niederschl√§gen und wegen mehrerer hei√üer Sommer (2002 und 2003) signifikant zur√ľck. Insgesamt zeigt sich ein starker R√ľckgang im Anschluss an die 1990er-Jahre. Bis 2005 wuchs nur einer der 25 beobachteten Gletscher, zwei blieben unver√§ndert und die restlichen 22 zogen sich zur√ľck. 2006 war die Massenbilanz der norwegischen Gletscher stark negativ: Von 26 untersuchten Gletschern schwanden 24, einer zeigte keine L√§ngenver√§nderungen und einer wuchs.[31] Der norwegische Engabreen-Gletscher verk√ľrzte sich z.¬†B. seit 1999¬†um 185¬†m . Der Brenndalsbreen und der Rembesdalssk√•ka haben sich seit 2000¬†um 276 bzw. 250¬†m verk√ľrzt. Allein 2004 verlor der Briksdalsbreen 96¬†m – der gr√∂√üte j√§hrliche L√§ngenverlust dieses Gletschers seit dem Beginn der Messungen im Jahr 1900. Von 1995 bis 2005 wich die Gletscherstirn um 176¬†m zur√ľck.[32]

 

Asien

Der Himalaya und andere Gebirgsketten in Zentralasien umfassen gro√üe Regionen, die vergletschert sind; allein im Himalaya bedecken etwa 6.500 Gletscher eine Fl√§che von 33.000¬†km¬≤. Diese Gletscher spielen eine zentrale Rolle f√ľr die Wasserversorgung arider L√§nder wie der Mongolei, des westlichen Teils von China, Pakistans und Afghanistans. Wie andere Gletscher weltweit schwinden die asiatischen Gletscher schnell. Der Verlust dieser Gletscher w√ľrde enorme Auswirkungen auf das √Ėkosystem und f√ľr die Menschen in dieser Region haben.

 

 

 

Dieses Bild der NASA zeigt die Bildung zahlreicher Gletscherseen am Endpunkt der sich zur√ľckziehenden Gletscher in Bhutan im Himalaya

Ein Bericht des WWF stellte fest, dass 67¬†% aller Gletscher im Himalaya abschmelzen. Einige Gebiete des Himalayas erw√§rmen sich f√ľnf mal so schnell wie der globale Durchschnitt. Die Ursachen daf√ľr sind neben dem Anstieg der Treibhausgaskonzentrationen auch gro√üe Mengen an Ru√ü und anderen Partikeln, die bei der Verbrennung fossiler Rohstoffe und Biomasse entstehen. Diese Partikel absorbieren Solarstrahlung, wodurch Luft erw√§rmt wird. Diese Schicht erw√§rmter Luft steigt auf und beschleunigt in den Gebirgen den R√ľckgang der Gletscher.[33]

 

[34] In China schmolzen zwischen 1950 und 1970 53 % von 612 untersuchten Gletschern.

Nach 1995 befanden sich bereits 95¬†% im R√ľckgang. Dies ist ein Anzeichen daf√ľr, dass die Gletscherschmelze in dieser Region zunimmt.[35] Die in der zweiten H√§lfte des letzten Jahrhunderts in Hochasien anhaltende Gletscherschmelze zeigte jedoch auch Unterbr√ľche. Aus dem Inneren Himalaja sind bspw. Gletscherzungenstagnationen bzw. geringe Zungenvorst√∂√üe f√ľr den Zeitraum von ca. 1970 bis 1980 bekannt [36]. Die Gletscher des chinesischen Gebiets Xinjiang sind seit 1964¬†um 20¬†% abgeschmolzen. In diesem Gebiet befindet sich fast die H√§lfte der vergletscherten Fl√§che Chinas.[37]

Ausnahmslos alle Gletscher in der Region um den Mount Everest im Himalaya befinden sich im R√ľckgang. Der Khumbu-Gletscher in der N√§he des Mount Everest zog sich seit 1953¬†um etwa 5¬†km zur√ľck. Auf der Nordseite befindet sich der Rongbuk Gletscher; er verliert j√§hrlich 20¬†m an L√§nge. Der etwa 30¬†km lange Gangotri-Gletscher in Indien, der als Quelle des Ganges gilt, schmolz zwischen 1971 und 2004 j√§hrlich um 27¬†m ab. In den 69 Jahren von 1935 – 2004 verlor er durchschnittlich 22 m L√§nge im Jahr.[38][39] Insgesamt ist er in den letzten 200 Jahren um zwei Kilometer k√ľrzer geworden.[40] Durch das Abschmelzen der Gletscher des Himalaya haben sich neue Gletscherseen gebildet. Es besteht die Gefahr, dass diese ausbrechen (Gletscherlauf) und dabei √úberschwemmungen verursachen.

 

Im n√∂rdlichen Teil des Tianshan, dessen h√∂chster Gipfel 7.439¬†m hoch ist und das sich auf die Staatsgebiete von China, Kasachstan, Kirgisistan und Tadschikistan erstreckt, haben die Gletscher, die zur Wasserversorgung dieses ariden Gebiets beitragen, zwischen 1955 und 2000 jedes Jahr fast zwei Kubikkilometer (km¬≥) Eis verloren. Zwischen 1974 und 1990 haben die Gletscher zudem j√§hrlich durchschnittlich 1,28¬†% ihres Volumens eingeb√ľ√üt.[41] Gletscher im Ak-Shirak-Gebirge des zentralen Tianshan in Kirgisistan verloren zwischen 1943 und 1977 bereits einen kleinen Teil ihrer Masse. Zwischen 1977 und 2001 haben sie weitere 20¬†% an Masse verloren.[42]

 

S√ľdlich des Tianshan befindet sich der Pamir, ein weiteres Hochgebirge mit einer H√∂he von bis zu 7.719¬†m. Im Pamir, der sich haupts√§chlich in Tadschikistan erstreckt, gibt es viele tausend Gletscher, die zusammen eine Fl√§che von etwa 1.200¬†km¬≤ bedecken. Sie alle befinden sich im R√ľckgang. W√§hrend des 20. Jahrhunderts haben die Gletscher Tadschikistans 20¬†km¬≥ Eis verloren. Der 70¬†km lange Fedchenko-Gletscher, der gr√∂√üte Gletscher Tadschikistans und zugleich der l√§ngste nicht polare Gletscher der Welt, hat bereits 1,4¬†% seiner L√§nge (knapp 1¬†km) und 2¬†km¬≥ Eis w√§hrend des 20. Jahrhunderts eingeb√ľ√üt. Auch der benachbarte Skogatch-Gletscher schmilzt: Zwischen 1969 und 1986 hat er 8¬†% seiner gesamten Masse verloren. Tadschikistan und die anderen Anrainerstaaten des Pamirs sind vom Schmelzwasser der Gletscher abh√§ngig, da es den Wasserstand in den Fl√ľssen w√§hrend D√ľrren und in trockenen Jahreszeiten aufrechterh√§lt. Aufgrund der Gletscherschmelze wird kurzfristig mehr, langfristig aber weniger Flusswasser zur Verf√ľgung stehen.[43]

 

 

Diese Gletscher in Neuseeland haben sich in den letzten Jahren stark zur√ľckgezogen.

 

Neuseeland

In Neuseeland, wo eine Fl√§che von 860¬†km¬≤ vergletschert ist, befinden sich die Gebirgsgletscher seit 1890 allgemein im R√ľckgang. Seit 1920 hat sich der R√ľckgang beschleunigt. Zwischen 1994/95 und 2004/05 haben die neuseel√§ndischen Gletscher insgesamt ca. 7,16¬†km¬≥ Eisvolumen verloren. Das gesamte Eisvolumen betr√§gt heute etwa 45¬†km¬≥.[44] Die meisten Gletscher sind messbar d√ľnner geworden, haben sich verk√ľrzt und das N√§hrgebiet der Gletscher hat sich im Laufe des 20. Jahrhunderts in h√∂here Lagen verschoben. So hat der Ivory-Gletscher zwischen 1971 und 1975 z.¬†B. 30¬†m L√§nge verloren und seine Fl√§che ist gleichzeitig um etwa 26¬†% zur√ľckgegangen. Seit den 1980ern haben sich unz√§hlige kleine Gletscherseen hinter den Endmor√§nen vieler Gletscher gebildet. Satellitenbilder deuten darauf hin, dass sich diese Seen ausdehnen.

 

Einige Gletscher, erw√§hnenswert sind der Fox- und der Franz-Josef-Gletscher, haben sich periodisch, besonders in den 1990ern, ausgedehnt. Doch in der Gesamtbilanz des 20. Jahrhunderts ist dieses Wachstum gering. Beide Gletscher sind derzeit √ľber 2,5¬†km k√ľrzer als zu Beginn des letzten Jahrhunderts. Diese gro√üen, schnell flie√üenden Gletscher, die an steilen Abh√§ngen liegen, reagieren stark auf kleine √Ąnderungen. Auf einige Jahre mit g√ľnstigen Bedingungen, wie erh√∂htem Schneefall oder niedrigeren Temperaturen, reagieren diese Gletscher sofort mit schnellem Wachstum. Doch enden diese g√ľnstigen Bedingungen, gehen sie wiederum √§hnlich schnell zur√ľck.[45] Die Ursache f√ľr das Wachstum einiger Gletscher an ein paar Orten war ein kurzzeitiger Wetterwechsel, verbunden mit dem El Ni√Īo. Dieser verursachte mehr Niederschlag und bew√∂lktere, k√ľhlere Sommer seit 2002.[46]

 

Nordamerika

 

 

Der Lewis-Gletscher, North Cascades National Park, nach dem Abschmelzen 1990.

Gletscher in Nordamerika liegen haupts√§chlich in den Rocky Mountains in den USA und Kanada. Dar√ľber hinaus finden sich Gletscher in verschiedenen Gebirgsz√ľgen an der Pazifikk√ľste zwischen dem Norden Kaliforniens und Alaska und einige kleine Gletscher verstreut in der Sierra Nevada in Kalifornien und Nevada (Gr√∂nland geh√∂rt zwar geologisch zu Nordamerika, wird aber aufgrund seiner Lage auch zur Arktis gez√§hlt). Insgesamt ist in Nordamerika eine Fl√§che von etwa 276.000¬†km¬≤ vergletschert. Bis auf einige Gletscher, wie den Taku-Gletscher, die ins Meer m√ľnden, gehen praktisch alle Gletscher in Nordamerika zur√ľck. Seit Anfang der 1980er-Jahre hat sich die Abschmelzgeschwindigkeit drastisch erh√∂ht und in jeder Dekade schwanden die Gletscher schneller als in der vorherigen.

 

An der Westk√ľste Nordamerikas verl√§uft die Kaskadenkette von Vancouver (Kanada) bis in den Norden Kaliforniens. Abgesehen von Alaska stellen die mehr als 700 Gletscher der n√∂rdlichen Kaskaden (zwischen der Kanadischen Grenze und der Interstate 90 in Zentral-Washington) etwa die H√§lfte der vergletscherten Fl√§che der USA. Diese Gletscher beinhalten so viel Wasser wie alle Seen und Reservoirs im Staat Washington zusammen. Au√üerdem versorgen sie viele Fl√ľsse und B√§che in den trockenen Sommermonaten mit Wasser in einer Menge von etwa 870.000¬†m¬≥.

 

 

 

Der Boulder-Gletscher hat sich zwischen 1987 und 2005 um 450¬†m zur√ľckgezogen.

 

 

 

Der Easton Gletscher (in den Nord-Kaskaden gelegen) verlor zwischen 1990 und 2005 255 m Länge.

 

Bis 1975 wuchsen noch viele Gletscher in den Nord-Kaskaden aufgrund von k√ľhlerem Wetter und gestiegenem Niederschlag zwischen 1944 und 1976. Doch seit 1987 schwinden alle Gletscher der Nord-Kaskaden und die Geschwindigkeit des R√ľckgangs hat sich seit Mitte der 1970er jedes Jahrzehnt erh√∂ht. Zwischen 1984 und 2005 haben die Gletscher im Durchschnitt mehr als 12,5¬†m an Dicke und zwischen 20 und 40¬†% ihres Volumens verloren.[47]

 

Seit 1985 sind alle 47 beobachteten Gletscher der Nord-Kaskaden zur√ľckgegangen. Der Spider-Gletscher, der Lewis-Gletscher (siehe Bild), der Milk Lake-Gletscher und der David-Gletscher sind sogar komplett verschwunden. Besonders stark schmolz auch der White Chuck-Gletscher: Seine Fl√§che verringerte sich von 3,1¬†km¬≤ im Jahr 1958 auf 0,9¬†km¬≤ im Jahr 2002. √Ąhnlich der Boulder-Gletscher an der s√ľd√∂stlichen Flanke des Mount Baker: Er verk√ľrzte sich um 450¬†m von 1978 bis 2005. Dieser R√ľckgang ereignete sich in einer Periode mit verringertem winterlichen Schneefall und h√∂heren Sommertemperaturen. Die winterliche Schneedecke hat in den Kaskaden seit 1946¬†um 25¬†% abgenommen und die Temperaturen haben im gleichen Zeitraum um 0,7¬†¬įC zugenommen. Die Schneedecke hat abgenommen, obwohl die winterlichen Niederschl√§ge leicht zugenommen haben. Durch die h√∂heren Temperaturen f√§llt dieser Niederschlag jedoch vermehrt als Regen und dadurch schmelzen die Gletscher sogar in den Wintern. Im Jahr 2005 befanden sich 67¬†% der Gletscher in den n√∂rdlichen Kaskaden in einem Ungleichgewicht und werden daher die Fortdauer der gegenw√§rtigen Bedingungen nicht √ľberleben. Diese Gletscher werden eventuell sogar dann verschwinden, wenn die Temperaturen sinken und der Schneefall wieder zunehmen sollte. Es wird erwartet, dass sich die restlichen Gletscher stabilisieren, auch wenn das Klima weiterhin so warm bleibt. Allerdings wird ihre Fl√§che dann stark abgenommen haben.[48][49]

 

Auch die Gletscher des Glacier Nationalparks in Montana schwinden rasant. Die Ausdehnung jedes Gletschers wurde durch den National Park Service und das US Geological Survey jahrzehntelang abgebildet. Durch den Vergleich von Fotografien aus der Mitte des 19. Jahrhunderts mit aktuellen Bildern gibt es viele Beweise, dass die Gletscher des Nationalparks seit 1850 deutlich zur√ľckgegangen sind. Die gr√∂√üeren Gletscher nehmen heute etwa ein Drittel der Fl√§che ein, die sie 1850 zum Zeitpunkt ihrer ersten Untersuchung noch eingenommen hatten. Eine Vielzahl kleinerer Gletscher ist sogar vollst√§ndig geschmolzen. 1993 nahmen die Gletscher des Nationalparks nur noch eine Fl√§che von knapp 27¬†km¬≤ ein. 1850 waren es noch etwa 99¬†km¬≤ gewesen.[50] Bis 2030 wird der Gro√üteil des Gletschereises im Glacier Nationalpark vermutlich verschwunden sein, auch wenn die gegenw√§rtige Klimaerw√§rmung aufh√∂rte und die Temperaturen wieder abn√§hmen.[51] Der unten abgebildete Grinnell-Gletscher ist nur ein Gletscher von vielen, die √ľber mehrere Jahrzehnte gr√ľndlich mit Fotografien dokumentiert wurden. Die Fotografien demonstrieren deutlich den R√ľckgang des Gletschers seit 1938.

 

 

 

 

1938 T. J. Hileman GNP

1981 Carl Key (USGS)

1998 Dan Fagre (USGS)

2005 Blase Reardon (USGS)

 

Weiter s√ľdlich im Grand-Teton-Nationalpark in Wyoming gibt es trotz semiariden Klimas etwa ein Dutzend kleine Gletscher. Sie alle gingen w√§hrend der letzten 50 Jahre zur√ľck. Der Schoolroom-Gletscher, der etwas s√ľdwestlich des Grand Teton (4.197¬†m), des h√∂chsten Bergs des Grand-Teton-Nationalparks, liegt, wird vermutlich bis 2025 abgeschmolzen sein.[52] Untersuchungen zeigen, dass die Gletscher des Bridger-Teton National Forest und des Shoshone National Forest der Wind River Bergkette (Wyoming) zwischen 1950 und 1999 etwa ein Drittel ihrer Gr√∂√üe eingeb√ľ√üt haben. Und Fotografien belegen gar, dass die Gletscher seit den sp√§ten 1890ern etwa die H√§lfte ihrer Gr√∂√üe verloren haben. Die Geschwindigkeit des Gletscherr√ľckgangs hat sich zudem erh√∂ht: In den 1990ern zogen sich die Gletscher schneller als in jedem vorherigen Jahrzehnt der letzten 100 Jahre zur√ľck. Der Gannett-Gletscher am nord√∂stlichen Hang des Gannett Peaks, des h√∂chste Bergs Wyomings (4.207¬†m), ist der gr√∂√üte Gletscher der Rocky Mountains s√ľdlich Kanadas. Seit 1929 hat er √ľber 50¬†% seines Volumens verloren. Die H√§lfte des Verlusts fand seit 1980 statt. Die √ľbrigen Gletscher Wyomings werden wahrscheinlich bis Mitte des Jahrhunderts geschmolzen sein.[53]

 

 

Der Athabasca-Gletscher hat sich im letzten Jahrhundert um 1.500¬†m zur√ľckgezogen

Die Gletscher der kanadischen Rocky Mountains sind im Allgemeinen gr√∂√üer und weiter verbreitet als die Gletscher der Rocky Mountains in den USA. Der recht leicht erreichbare Athabasca-Gletscher geht vom 325¬†km¬≤ gro√üen Columbia-Eisfeld aus. Seit dem sp√§ten 19. Jahrhundert hat der Gletscher 1.500¬†m L√§nge verloren. Zwischen 1950 und 1980 zog sich der Gletscher nur langsam zur√ľck, seit 1980 ist die Geschwindigkeit des R√ľckgangs gestiegen. Der Pyto-Gletscher in Alberta, der sich in der ersten H√§lfte des 20. Jahrhunderts schnell zur√ľckzog, nimmt heute eine Fl√§che von 12¬†km¬≤ ein. Bis 1966 stabilisierte er sich und seit 1976 geht er wieder zur√ľck.[54] Der Illecillewaet Gletscher im Glacier-Nationalpark in Britisch-Kolumbien hat sich, seit er 1887 zum ersten Mal fotografiert wurde, um etwa 2¬†km zur√ľckgezogen.

Auch in Yukon, einem Territorium im √§u√üersten Nordwesten Kanadas, ist ein starker Gletscherschwund zu beobachten. Die 1.402 Gletscher in Yukon bedeckten Ende der 50er noch eine Fl√§che von 11.622¬†km¬≤, 2006 - 2008 waren es noch 9.081¬†km¬≤. In diesen 50 Jahren nahm die Gletscherfl√§che also um √ľber 20¬†% ab. Von den 1.402 Gletschern gingen 1.388 zur√ľck oder verschwanden ganz, 10 blieben in ihrer L√§nge etwa unver√§ndert und 4 wuchsen in diesem Zeitraum.[55]

In Alaska gibt es tausende Gletscher, von denen aber nur relativ wenige benannt sind. Einer von ihnen ist der Columbia-Gletscher in der N√§he von Valdez. Der Gletscher hat in den letzten 25 Jahren 15¬†km an L√§nge verloren. Von dem Gletscher kalben Eisberge in die Prince William Sound Bucht. Diese Eisberge waren eine Mitursache f√ľr die Exxon Valdez-Umweltkatastrophe. Beim Versuch, einem Eisberg auszuweichen, lief die Exxon Valdez auf das Bligh-Riff auf, und 40.000 Tonnen Roh√∂l liefen aus.[56] Ein weiterer, der Tyndall-Gletscher, hat sich seit den 1960ern um 24¬†km zur√ľckgezogen, durchschnittlich also um mehr als¬†500¬†m j√§hrlich.[57]

 

 

Der McCarty Gletscher des Harding Icefields 1909 und 2004. 2004 ist der Gletscher auf dem Bild nicht mehr zu erkennen

N√∂rdlich Juneaus, der Hauptstadt des Bundesstaates Alaska, befindet sich die 3.900¬†km¬≤ gro√üe Juneau-Eiskappe. Seit 1946 werden die Auslassgletscher der Eiskappe im Rahmen des „Juneau Icefield Research Program" beobachtet. Von den 18 Gletschern der Eiskappe gehen 17 zur√ľck und einer, der Taku-Gletscher, w√§chst. 11 der Gletscher sind seit 1948¬†um mehr als 1¬†km zur√ľckgegangen, darunter der Antler-Gletscher (5,6¬†km), der Gilkey-Gletscher (3,5¬†km), der Norris-Gletscher (1,1¬†km) und der Lemon-Creek-Gletscher (1,5¬†km).[58] Der Taku-Gletscher w√§chst seit 1890: Zwischen 1890 und 1948 wuchs er um etwa 5,3¬†km und seit 1948 bisher um ca. 2¬†km.

Auf der Kenai-Halbinsel im s√ľdlichen Alaska beheimatet das etwa 1.800¬†km¬≤ gro√üe Harding Icefield mehr als 38 Gletscher. Die meisten Gletscher dieses Eisfeldes haben seit 1973 an L√§nge verloren. Einer von ihnen ist der McCarty-Gletscher. Dieser zog sich zwischen 1909 und 2004¬†um etwa 20¬†km zur√ľck. Seine maximale Ausdehnung erreichte der Gletscher um 1850; etwa 0,5¬†km l√§nger als 1909.[59] Der gr√∂√üte Teil des beobachteten R√ľckzugs geschah vor 1964 und in den 1970ern dehnte sich der Gletscher aufgrund k√ľhlerer Klimabedingungen sogar etwas aus. Zwischen 1986 und 2002 verlor er ca. 306¬†m an L√§nge. Stark ging auch der Skilak-Gletscher zur√ľck: Zwischen 1973 und 2002 zog sich dieser Gletscher, der in einen See m√ľndet, um etwa 3,8¬†km zur√ľck. Insgesamt verlor das Eisfeld zwischen 1986 und 2002 78¬†km¬≤ vergletscherte Fl√§che.[60]

Mithilfe von Fernerkundungstechnologien (Laser-H√∂henmessung) wurden in Alaska zwischen Mitte der 1950er und Mitte der 1990er starke Dickenverluste von Gletschern gemessen: Die 67 untersuchten Gletscher b√ľ√üten im Durchschnitt 0,52 Meter Dicke pro Jahr w√§hrend des Messzeitraums ein. Hochgerechnet auf alle Gletscher Alaskas kam es demnach zu Volumenverlusten von 52¬†¬Ī¬†15¬†km3 Eis pro Jahr. Zwischen Mitte der 1990er und 2001 wurden 28 Gletscher weiter beobachtet. Sie verloren pro Jahr durchschnittlich 1,8¬†m Dicke. Die Schmelze der Gletscher hat sich also beschleunigt. Wiederum hochgerechnet auf alle Gletscher in Alaska bedeutet dies ein Volumenverlust von 96¬†¬Ī¬†35¬†km3 pro Jahr.[61]

Patagonien

 

 

Der San Rafael-Gletscher 1990 und 2000

In Patagonien, einer √ľber 900.000¬†km¬≤ gro√üen Region in S√ľdamerika, die sich √ľber die s√ľdlichen Anden Chiles und Argentiniens erstreckt, l√§sst sich ein weltweit unvergleichbar schnelles Abschmelzen der Gletscher beobachten.[62] Wissenschaftler glauben, dass, sofern die gegenw√§rtigen Bedingungen anhalten, einige der Eiskappen in den Anden bis 2030 verschwunden sein werden. Das Northern Patagonian Ice Field etwa, ein Teil der patagonischen Eiskappe, verlor zwischen 1945 und 1975 circa 93¬†km¬≤ vergletscherte Fl√§che. Zwischen 1975 und 1996 hat es weitere 174¬†km¬≤ verloren, was auf eine sich beschleunigende Abschmelzgeschwindigkeit hindeutet. Der San Rafael-Gletscher, einer der Gletscher dieser Eiskappe, zog sich seit Ende des 19. Jahrhunderts um rund 10¬†km zur√ľck. Die letzten 3.000–5.000 Jahre blieb er dagegen relativ stabil. Auch die Gletscher des Southern Patagonian Ice Field gehen fast alle zur√ľck: 42 Gletscher schwanden, vier blieben konstant und zwei wuchsen zwischen 1944 und 1986. Am st√§rksten zog sich der O'Higgins-Gletscher mit 14,6¬†km zwischen 1975 und 1996 zur√ľck.[63] Der 30¬†km lange Perito-Moreno-Gletscher ist einer der wenigen Gletscher, die gewachsen sind. Zwischen 1947 und 1996 verl√§ngerte er sich um insgesamt 4,1¬†km. Derzeit befindet er sich in einem Gleichgewichtszustand, zeigt also keine L√§ngenver√§nderungen.[64]

Tropische Gletscher

 

 

Die Wendekreise und der √Ąquator

Tropengletscher befinden sich zwischen dem n√∂rdlichen und dem s√ľdlichen Wendekreis. Die beiden Wendekreise verlaufen jeweils 2.600¬†km n√∂rdlich und s√ľdlich des √Ąquators. Die tropischen Gletscher sind aus mehreren Gr√ľnden ausgesprochen ungew√∂hnliche Gletscher. Zum einen sind die Tropen der w√§rmste Bereich der Erde. Au√üerdem sind die jahreszeitlichen Temperaturschwankungen gering, wobei die Temperaturen in den Tropen ganzj√§hrig hoch sind. Folglich mangelt es an einer kalten Saison, in der Schnee und Eis akkumulieren k√∂nnen. Und schlie√ülich gibt es in dieser Region nur wenige hohe Berge, auf denen es kalt genug ist, dass sich Gletscher bilden k√∂nnen. Alle Gletscher in den Tropen befinden sich auf isolierten Bergspitzen. Allgemein sind tropische Gletscher also kleiner als andere und reagieren somit empfindlicher und schneller auf Klimaver√§nderungen. Schon ein kleiner Temperaturanstieg wirkt sich daher unmittelbar auf Tropengletscher aus.[65]

Nördliche und mittlere Anden

 

 

Taulliraju (6.032 m)

In S√ľdamerika, wo sich der Gro√üteil der tropischen Gletscher befindet, stellen Glaziologen einen Gletscherr√ľckgang fest. Mehr als 80¬†% des Gletschereises der n√∂rdlichen Anden ist in kleinen Gletschern von jeweils etwa einem Quadratkilometer Fl√§che auf die h√∂chsten Berggipfel verteilt. Zwischen 1992 und 1998 wurden der Chacaltaya-Gletscher in Bolivien und der Antizana-Gletscher in Ecuador beobachtet. Beide Gletscher verloren j√§hrlich zwischen 0,6 und 1,4¬†m Eis. Im gleichen Zeitraum hat der Chacaltaya-Gletscher 67¬†% seines Volumens und 40¬†% seiner Dicke verloren. Seit 1940 ist seine Masse um insgesamt 90¬†% zur√ľckgegangen. 2005 nahm er nicht mal mehr eine Fl√§che von 0,01¬†km¬≤ ein, 1940 waren es noch 0,22¬†km¬≤.[66] Mittlerweile ist der Gletscher komplett abgeschmolzen.[67] Seit Mitte der 1980er hat sich zudem die R√ľckzugsgeschwindigkeit beider Gletscher erh√∂ht.[68]

Weiter s√ľdlich, in Peru, erreichen die Anden gr√∂√üere H√∂hen (insbesondere in der Cordillera Blanca). Hier befindet sich etwa die H√§lfte der weltweiten tropischen Eismassen, verteilt auf etwa 722 Gletscher, die zusammen eine Fl√§che von 723¬†km¬≤ bedecken. Die Forschung in dieser Region ist zwar weniger umfassend, doch auch sie deutet auf einen allgemeinen Gletscherr√ľckgang um etwa 7¬†% von 1977 bis 1983 hin.[69] Zwischen 1970 und 1997 sind sch√§tzungsweise sogar 110¬†km¬≤, also etwa 15¬†% der Gletscherfl√§che, verloren gegangen.

Dort befindet sich auch die 44¬†km¬≤ gro√üe Quelccaya-Eiskappe, die weltweit gr√∂√üte tropische Eisdecke. Von ihr gehen mehrere Gletscher aus, die alle schwinden. Der gr√∂√üte Gletscher, der Qori Kalis-Gletscher, ging zwischen 1995 und 1998 pro Jahr um 155¬†m zur√ľck. Zwischen 2000 und 2002 ging er gar um etwa 200¬†m pro Jahr zur√ľck. Das schmelzende Eis bildet seit 1983 einen gro√üen Gletschersee.[70] Die gesamte Eiskappe hat seit 1978 etwa 20¬†% ihrer Fl√§che verloren. Proben nicht fossilisierter Pflanzen, die beim R√ľckgang der Eiskappe zum Vorschein gekommen sind, deuten darauf hin, dass die Eiskappe zuletzt vor mehr als 5.200 Jahren kleiner als heute war.[71] Bleiben die gegenw√§rtigen Bedingungen bestehen, wird die Eiskappe laut Lonnie Thompson in etwa 50 Jahren komplett geschmolzen sein.[72]

Afrika

 

 

Der Furtwängler-Gletscher auf dem Kilimandscharo

Fast ganz Afrika befindet sich in den Tropen und Subtropen, so dass seine Gletscher auf zwei abgelegene Berggipfel und das Ruwenzori-Gebirge beschr√§nkt sind. Insgesamt nehmen die Gletscher in Afrika eine Fl√§che von 10,7¬†km¬≤ ein. Der Kilimandscharo ist mit 5.895¬†m der h√∂chste Berg Afrikas. Seit 1912 ist die Gletscherbedeckung des Kilimandscharo um 75¬†% zur√ľckgegangen und das Volumen des Gletschereises hat gar um 80¬†% abgenommen.[73] Von 1984 bis 1998 hat sich ein Teil der Gletscher um ca. 300¬†m zur√ľckgezogen.[74] Bleibt diese hohe Abschmelzrate erhalten, werden die Gletscher auf dem Kilimandscharo zwischen 2015 und 2020 verschwunden sein.[75] Im M√§rz 2005 stellte ein Bericht fest, dass kaum noch Gletschereis auf dem Berg vorhanden war und dass zum ersten Mal seit 11.000 Jahren Teile des kargen Berggipfels eisfrei geworden waren.[76] Als Ursache f√ľr den R√ľckgang des Gletschers wird vor allem ein betr√§chtlicher R√ľckgang der Niederschlagsmenge am Kilimandscharo seit 1880 genannt.[77][78] Diese Erkl√§rung allein ist jedoch unbefriedigend. Aus historischen Aufzeichnungen wird ersichtlich, dass um 1880 au√üergew√∂hnlich viel Niederschlag fiel, jedoch vor 1860 Mengen vorkamen, wie sie auch im 20. Jahrhundert normal waren.[79] Der Gletscher existiert au√üerdem ohne Unterbrechung seit wenigstens 11.700 Jahren und hat seitdem einige besonders schwere D√ľrren √ľberstanden, wie aus seinen Eisbohrkernen hervorgeht.[80]

In der Nähe des Kilimandscharo-Gipfels befindet sich der Furtwängler-Gletscher. Zwischen 1976 und 2000 hat seine Fläche von 113.000 m² auf 60.000 m² abgenommen.[75] Anfang 2006 fanden Wissenschaftler ein großes Loch in der Nähe des Gletschermittelpunkts. Dieses Loch, welches sich durch den noch 6 m dicken Gletscher bis auf den Felsuntergrund erstreckt, wird vermutlich weiter anwachsen und den Gletscher 2007 in zwei Teile teilen.[73]

N√∂rdlich des Kilimandscharo liegt der Mount Kenya. Dieser ist mit 5.199¬†m der zweith√∂chste Berg Afrikas. Auf dem Berg liegen einige kleine Gletscher, die in den letzten 6.000 Jahren sechs Wachstumsphasen durchwandert haben (die beiden letzten in den Jahren 650-850 und 1350-1550).[81] Seit Mitte des 20. Jahrhunderts haben die Gletscher mindestens 45¬†% ihrer Masse verloren. Nach Untersuchungen des US Geological Survey (USGS) gab es 1900 18 Gletscher auf dem Mount Kenya. 1986 waren davon noch 11 √ľbriggeblieben.[82] Die gesamte von Gletschern bedeckte Fl√§che hat von ca. 1,6¬†km¬≤ im Jahre 1899 auf 0,4¬†km¬≤ (1993) abgenommen.[83]

Westlich des Kilimandscharo und des Mount Kenya erhebt sich das Ruwenzori-Gebirge auf bis zu 5.109¬†m. Fotografien belegen einen deutlichen R√ľckgang der mit Eis bedeckten Fl√§chen im letzten Jahrhundert. Um 1900 gab es auf dem Gebirge noch ein Gletschergebiet von 6,5¬†km¬≤. Dieses ist bis 1987 auf etwa 2¬†km¬≤ und 2003 bis auf ca. 0,96¬†km¬≤ zusammengeschmolzen. Zuk√ľnftig k√∂nnten die Gletscher des Ruwenzori-Gebirges aber aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit der Kongo-Region langsamer zur√ľckgehen als die Gletscher des Kilimandscharo und des Mount Kenya.[84] Dennoch wird ein vollst√§ndiges Abschmelzen der Gletscher innerhalb der n√§chsten zwei Dekaden erwartet.[85]

Neuguinea

 

 

Eiskappe auf dem Puncak Jaya 1936

 

 

Gletscher auf dem Puncak Jaya 1972. Von links nach rechts: die Northwall Firn, der Meren-Gletscher und der Carstensz-Gletscher; USGS. Mitte 2005 und Animation

Auch auf der mit 771.900¬†km¬≤ zweitgr√∂√üten Insel der Erde, Neuguinea, die n√∂rdlich von Australien liegt, gibt es fotografische Beweise f√ľr einen massiven Gletscherschwund seit der ersten gro√üen Erkundung der Insel per Flugzeug in den 1930er-Jahren. Aufgrund der Lage der Insel in den Tropen schwanken die Temperaturen im Jahresverlauf kaum. Auch die Regen- und Schneemenge ist stabil, ebenso die Wolkenbedeckung. W√§hrend des 20. Jahrhunderts gab es keine merkli


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  Mühsal oder Kampf? Mühsal oder Kampf?  Corrado 5 Cauac (24.09.2011 09:38)