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von Arthur am 06.12.2015 um 20:49 Uhr

[Motiv von Papyrus mit Nut und Geb - 21 Dynastie - 1069 - 945 v. Chr., Lauvre/Paris]

Der Sonnengott der Mayas hie√ü Ahau (ausgespr. Athu), der Sonnengott von Heliopolis im alten √Ągypten hie√ü Atum (der Selbsterstandene).

Ebenso gab es in beiden Kulturen den Lebenstr√§gerbegriff "Seele". Sie kam bei der Zeugung in den werdenden K√∂rper und kehrte nach dem Tod zur√ľck. Das sind Parallelen in der Weltanschauung beider Kulturen. Deshalb ist eine Beleuchtung der teilweise bekannten Weltanschauung und des Menschenbild im alten √Ągypten von Vorteil. Es ist ein kleines Hilfsmittel zum Einstieg in die vergessene Welt der Mayas und ihrer Vorfahren.

folgende Legende der ägyptischen Priester, aufgeschrieben vom altgriechischen Schriftsteller Plutarch (etwa 46 - 126 n. Chr.):

1. Einst schlossen Geb, der Gott der Erde und Nut, die G√∂ttin des Himmels den Bund der Ehe. Da verfluchte Ra, der Gott der Sonne die G√∂ttin Nut. Er schwor: „Deine Kinder sollen weder in einem Monat noch an einem Tag eines Jahres geboren werden.“

2. Die G√∂ttin Nut wandte sich um Hilfe an den weisen Gott Thoth. Ihm geh√∂rte der 72. Teil des Lichtes von jedem Tag des alt-√§gyptischen 360-Tage-Jahre., Das sind zusammen f√ľnf Tage.

3. Aus diesen Teilen f√ľgte er f√ľnf zus√§tzliche Tage zusammen und brachte sie au√üerhalb der Monate ans Ende des Jahres an. So erhielt die G√∂ttin Nut f√ľnf Tage und sie gebar f√ľnf Kinder: ,,Osiris, Horus, Seth , Isis und Nephthys,, , die ebenfalls als G√∂tter verehrt wurden.

4. Um Ra, den Gott der Sonne wieder zu vers√∂hnen, wurden ihm diese f√ľnf Tage geschenkt.

Seit dieser Zeit verl√§ngerte sich das Sonnenjahr von 360 auf 365 Tage und man feiert die Geburtstage. Daf√ľr wurde das Mondjahr um 5 Tage gek√ľrzt, von 360 auf 355 Tage.

5. Jedes Jahr im Juni vergießt die göttliche Isis ihre Tränen in den Niel und verursacht damit die fruchtbare Überschwemmung.

 

Vergleich des Menschen mit den Göttern

zu 1. [Weil die Seele (Nut, weiblich und unsterblich) dem K√∂rper (Geb, m√§nnlich und sterblich) n√§her steht und liebt, wird der Geist (Ra, m√§nnlich und sterblich) eifers√ľchtig auf sie. Einem Mythos zufolge, verschluckte die G√∂ttin Nut jeden Abend die Sonne und gebar sie am n√§chsten Tag erneut. So sorgte Nut in den Augen des Volkes f√ľr den Ablauf des Tageszyklus. Der n√§chtliche Schlaf legt auch das logische Denken lahm. Der Geist, der auf Handlungsaktivit√§t gebaut ist und den K√∂rper Werkzeuge bedienen l√§√üt, ist eingeschr√§nkt.]

zu 2. [Thot(h), alt√§gyptischer Gott des Mondes, der Schreibkunst und der Wissenschaften gilt als Seelentr√§ger. Die alten √Ągypter bemerkten, dass die menschliche Seele die Eigenschaft der Reflexion hat. Sie verglichen sie mit der Oberfl√§che des Mondes, welche das Licht auf die Erde reflektieren kann. Die Lichtphasen des Mondes sind wechselnd wie die Empfindungs- und Wahrnehmungsschwankungen. Der Frohsinn, oder die Ausdehnung der Psyche ist abh√§ngig von der k√∂rperlich und geistigen Annehmlichkeit, so wie die Stellung des Mondes, zur Erde und Sonne, die Lichtgestalt des Mondes beeinflusst. Der Mond kann auch die Sonne bedecken. Ebenso kann eine gest√∂rte Psyche das logische Denken lahmlegen (wechselseitige Induktion).

Befindet sich der Mond in Neumondn√§he, so ist manchmal auf der dunklen Seite neben der schmalen Sichel das reflektierte Licht der Erde zu sehen, je nach dem welche Seite sie dem Mond zuwendet (aschgraues Mondlicht). Rot ist die Farbe der W√ľste, Gr√ľn des brasilianischen Regenwaldes und Blau des Pazifiks. Dieses Licht (ohne Kontrolle des zweiten Signalsystems) ist vergleichbar mit den Traumbildern w√§rend des Schlafes. Es sind aber auch die drei Grundfarben unserer Temperamentsursachen. Gr√ľn ist die Ausgeglichenheit. Rot entspricht der Beweglichkeit und Blau der St√§rke. So hat der Choleriker die St√§rke und Beweglichkeit, aber die Ausgeglichenheit fehlt ihm. Der Pflegmatiker hat sie, aber die Beweglichkeit fehlt. Bei der Melancholie fehlt die St√§rke und damit die Entschlu√üf√§higkeit. Die angeborenen Temperamente beeinflussen nur die Form, aber nicht den Inhalt der Charaktere.

Der Mond f√ľhrt neben seiner gebundenen Rotation (Vergleich, festgerosteter Griff bei Uromas Kaffeem√ľhle zeigt immer zum Zentrum), eine zweite Bewegung aus. Es ist die Libration, auch Schwankung genannt. Durch sie bekommen wir manchmal mehr als die H√§lfte (59%) der Oberfl√§che des Mondes zu sehen, die st√§ndig (50%) der Erde zugewandt ist. Es ist die kleine Schnittfl√§che der Seele, die kurzzeitig Reize f√ľr Empfindungen aus dem nicht allt√§glichen Bereich reflektieren, anaysieren und weiterverarbeiten kann. Durch sie k√∂nnen auch neue Bilder, mit Hilfe des Geistes, aus fr√ľheren Wahrnehmungen gemacht werden (Phantasie).]

zu 3. [Isis, auch Iset oder Aset (Erinnerung), war in der √§gyptischen Mythologie die Tochter des Geb und der Nut, Schwester des Seth (der Wille) und der Nephthys (die Phantasie), sowie Schwester und Gemahlin des Osiris (das Gef√ľhl). Von diesem empfing sie Horus (der Bedarf bzw. das Bed√ľrfnis) als Sohn (Ontogenese, bzw. Entwicklung der Bed√ľrfnisse und Umgang mit ihnen), den sie in der Einsamkeit der Nils√ľmpfe (Stauseen der Bed√ľrfnisse und Gef√ľhle), versteckt (Angst vor Ungerechtigkeit und Verrat) vor dem Gott Seth, zur Welt brachte. Da sie den toten Osiris beklagte, der von Seth get√∂tet wurde, galt sie auch als G√∂ttin der Toten. Osirius ist auch der Gott des Jenseits bzw. der Verstorbenen.

Mit Hilfe von Anubis (Befriedigung der Bed√ľrfnisse und Freude, Sohn der Nephtylys und des Osiris) gelang es ihr den zerst√ľckelten K√∂rper ihres Gatten wieder zusammenzusetzen und auferstehen zu lassen.

Die Gef√ľhle und Bed√ľrfnisse des Menschen werden oft verdr√§ngt (wie Osiris und sein Sohn der in den Niels√ľmpfen aufw√§chst), weil sie nicht sofort befriedigt werden k√∂nnen; also werden sie in eine passende Kiste verpackt und versenkt (das geschieht durch Seth, den Freund von Ra, Ra steht f√ľr den Geist und Wille). Der Umgang mit Bed√ľrfnissen ist Erziehungssache und muss im Kleinkindalter schon gelernt werden. So lernt z.B. schon das Baby das Warten auf Nahrung durch den Trost und Anwesentheit der Mutter. Zwischen Horus und Seth besteht st√§ndig ein Kampf. In der Psychologie ist es der Kampf der Motive (kann Zorn, Wut oder Depression, Angst und Trauer hinterlassen). Durch die Erinnerung (Isis) und Phantasie (Nephtylis) weden die Gef√ľhle ge√∂ffnet und Bed√ľrfnisse wieder lebendig und neu gemacht. Durch Anubis und Isis k√∂nnen schmerzvolle Gef√ľhle und Bed√ľrfnisse, Begierde, Wut und Ha√ü geheilt und wieder unter Kontrolle gebracht werden .]

zu 4. [Ra steht f√ľr Geist oder besser f√ľr das Denken und Wissen. Die geistige T√§tigkeit ist, nach Ansicht der alten √§gyptischen Priester, ein Hemmfaktor oder Konkurent zur Aufrechterhaltung der Verbindung von K√∂rper und Seele. Wenig wissen wollen soll die Gemeinsamkeit von Seele und K√∂rper vergr√∂√üern. Das Streben und die Lust des Geistes nach Macht, Besitz und Anerkennung ist auch durch die Schlange "Nun" am Himmel dargestellt. Die n√∂rdliche Krone vek√∂rpert den Reichtum, die s√ľdliche Krone die Armut. Deshalb war sie die Suppensch√ľssel (mit zerbrochenen Rand) der Armen. Da aber am s√ľdlichen Firnament die Sterne heller sind als am N√∂rdlichen, ist die Heimat der Seele (Nut) dort n√§her am K√∂rper (Geb). Das frohe Gem√ľt der Menschen, die Freude am Gesang und Spiel ist die S√ľdliche Krone.]

zu 5. [Isis steht f√ľr Erinnerung und Wiederkehr (j√§hrlich wiederkehrende Nilflut). Rhythmus ist das Prinzip des Lebens. Die Erinnerung kommt, oft ausgel√∂st durch einen Reiz, auf dem Erfahrungsprofil der Wahrnehmung. Begleitet werden beide durch die Empfindung.]

 


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