Internationale Sicherheitskonferenz in Israel mit Weblink
von 7 Manik am 04.02.2012 um 11:29 Uhr

http://www.welt.de/print/die_welt/politik/article13850398/Abschreckung-Sanktionen-oder-Militaerschlag-wie-verhindert-man-die-Atombombe-der-Mullahs.html

 

„Abschreckung, Sanktionen oder Milit√§rschlag - wie verhindert man die Atombombe der Mullahs?

Israels Verteidigungsminister warnt, der Iran bräuchte nur zwölf Monate bis zur nuklearen Bewaffnung. Auf der Sicherheitskonferenz in Herzlija diskutieren Experten, ob man damit leben könnte

Teheran wickelt illegale Finanzaktivit√§ten inzwischen √ľber die T√ľrkei ab

Herzlija

Jedes Jahr kommen bei der Sicherheitskonferenz im israelischen Herzlija Experten aus der ganzen Welt zusammen und messen die Temperatur der kränkelnden Nahostregion. Und die ist diesmal besonders hoch. Die Israelis sehen sich eingekreist von einer islamistischen Welle, die immer mehr arabische Länder erfasst. Dazu kommt das iranische Atombombenprogramm, das nach Ansicht vieler Fachleute in diesem Jahr in die entscheidende Phase eintritt. "Wir befinden uns im Auge eines Sturms", sagt der israelische Generalstabschef Benny Gantz. Seine Liste möglicher Herausforderungen, auf die sich das Militär einstellen muss, reißt gar nicht mehr ab. Der Libanon und Gaza seien zu den größten Waffenlagern geworden, die man je gesehen habe. Jeder Teil Israels werde inzwischen von Raketen bedroht.

Aviv Kochavi, Leiter des Milit√§rgeheimdienstes, sagt, dass Israels Feinde √ľber 200 000 Raketen verf√ľgten. Die meisten h√§tten nur eine Reichweite von etwa 40 Kilometern, einige Tausend k√∂nnten aber mehrere Hundert Kilometer weit fliegen. Neben einer Konfrontation mit irregul√§ren Kr√§ften muss Israel sich aber nun auch im S√ľden wieder auf eine Konfrontation mit einer gro√üen regul√§ren Armee vorbereiten. Wer wei√ü schon, ob die Islamisten in Kairo am Friedensvertrag festhalten werden. Ohnehin ist die Sinai-Halbinsel schon quasi eine gesetzlose Region geworden, mit Radikalen von Hamas oder al-Qaida, die Israels Grenzen zu infiltrieren suchen, um im Land gegen Zivilisten loszuschlagen. Letztlich k√∂nnen die Israelis nur zuschauen, wie sich um sie herum das Drama der arabischen Revolutionen entfaltet. Beeinflussen k√∂nnen sie dies nicht. "Das ist keine israelische Angelegenheit, sondern eine arabische Angelegenheit", sagt Israels Pr√§sident Schimon Peres. "Aber das Ergebnis wird Auswirkungen auch auf Israel haben."

Kaum ein Thema h√§lt die Sicherheitsexperten aber so in Atem wie der Iran, den Peres als eines der "moralisch korrumpiertesten Regime der Welt" bezeichnet. In Herzlija gab es einerseits viel Lob f√ľr das europ√§ische √Ėlembargo, andererseits gro√üe Skepsis, ob das Teheran umstimmen wird, wenn es nicht gleichzeitig mit einer glaubw√ľrdigen milit√§rischen Drohung verbunden ist. Diese lieferte denn auch prompt Verteidigungsminister Ehud Barak, der warnte, dass die Zeit auslaufe, weil der Iran seine Urananreicherungsanlagen in neu gebaute Bergbunker verlege. "Wer immer nur ,sp√§ter' sagt, wird m√∂glicherweise herausfinden, dass sp√§ter zu sp√§t ist", sagte Barak und wiederholte es noch einmal auf Englisch, um sicherzugehen, dass die Botschaft auch ankommt. Milit√§rgeheimdienstchef Kochavi pr√§zisiert den Zeitrahmen: Wenn Religionsf√ľhrer Ali Chamenei den Befehl g√§be, k√∂nne der Iran innerhalb von einem Jahr eine Bombe bauen. Es werde ein bis zwei weitere Jahre dauern, bis auch die Raketentr√§gersysteme daf√ľr fertig seien.

Aussagen wie die Baraks machen Amerika und Europa stets nerv√∂s. Und letztlich bleibt unklar, ob diese israelischen Botschaften allein darauf ausgerichtet sind, den Westen zu entschlossenerem Handeln zu bewegen und die Iraner von Israels Ernsthaftigkeit zu √ľberzeugen, oder ob man in Jerusalem wirklich handeln will. M√∂glicherweise trifft eine Mischung aus beidem zu. Es war jedenfalls auff√§llig in Herzlija, dass die Politiker weit martialischer auftraten als die Milit√§rs und andere Experten. Auch deshalb, weil im Iran zum ersten Mal in den fast zehn Jahren des Atomstreits die Folgen der Sanktionen sp√ľrbar werden. Die Ma√ünahmen gegen den iranischen Finanzsektor scheinen langsam zu greifen, und die F√ľhrung in Teheran wird ob der dramatischen Abwertung des Rial zunehmend nerv√∂s. In der vergangenen Woche gab es sogar Berichte √ľber einen Sturm auf eine iranische Bank, weil die B√ľrger ihr immer schneller wertlos werdendes Geld in materielle G√ľter anlegen wollen.

Andererseits bem√ľht sich Teheran intensiv, die Sanktionen zu umgehen. Irans Revolutionsgarden, die laut Sch√§tzungen inzwischen 20 bis 30 Prozent der iranischen Wirtschaft kontrollieren, haben ganze Wirtschaftszweige darauf ausgerichtet, die Sanktionen zu umgehen. "Es gibt noch immer zu viele L√ľcken im Bereich der Finanzwirtschaft", sagt David Nordell, ein Experte f√ľr illegale Finanzstr√∂me. "Bisher war Dubai einer der Standorte f√ľr illegale Finanzaktivit√§ten des Iran. Inzwischen wird das aber auch √ľber die T√ľrkei abgewickelt."

F√ľr den amerikanischen Au√üenpolitikexperten Robert Blackwill liegt jedenfalls auf der Hand, dass "die europ√§ische Bereitschaft, die Sanktionen substanziell zu versch√§rfen, in einem direkten Zusammenhang mit der israelischen Bereitschaft steht, milit√§rische Gewalt einzusetzen". Ohne diese im Raum stehende Drohung w√§ren die Europ√§er wohl nicht so weit gegangen.

Die √ľberwiegende Mehrheit der israelischen Experten pl√§diert daf√ľr, nun erst einmal abzuwarten, ob die sich versch√§rfende Wirtschaftskrise im Iran zu einer Neubewertung der Kosten-Nutzen-Rechnung in Teheran f√ľhrt, weil die Sanktionen inzwischen die Stabilit√§t des Regimes gef√§hrden. Es ist das, was man im Englischen ein "Game of Chicken" nennt:

Beide Seiten rasen auf einen Abgrund zu, vergewissern einander, man werde auf jeden Fall im Auto sitzen bleiben, und hoffen, dass der andere am Ende zuerst herausspringt.

Die Israelis setzen sich jedenfalls intensiv mit der Frage auseinander, ob es denkbar w√§re, einen nuklear bewaffneten Iran abzuschrecken, falls Israel sich entscheiden sollte, die Nuklearanlagen nicht anzugreifen. Die meisten Experten sind sich einig, dass ein direkter Einsatz der Bombe gegen Israel nicht sehr wahrscheinlich, aber gleichzeitig mit einem hohen Risiko behaftet w√§re f√ľr die Existenz des Staates. Wahrscheinlicher ist, dass der Iran seine subversiven und destabilisierenden Aktionen in der Region und dar√ľber hinaus ausdehnen wird, weil der Nuklearschirm Schutz vor Vergeltungsaktionen schafft. Und die Gefahr eines versehentlichen Nuklearkriegs w√ľrde erheblich steigen. Denn nach dem Iran w√ľrde sich als Erstes auch der Machtkonkurrent am Golf, Saudi-Arabien, eine Bombe verschaffen.

Gerade in Europa glauben viele, ein atomar bewaffneter Iran lie√üe sich per Abschreckung eind√§mmen, wie es dem Westen ja auch mit der weit m√§chtigeren Sowjetunion gelungen ist. Aber die Frage ist, ob die Iraner mit dem paranoiden Weltbild ihrer F√ľhrer in Krisensituationen tats√§chlich berechenbar sein w√ľrden. Zumal man es sehr bald nicht mehr mit zwei atomar bewaffneten Akteuren zu tun haben w√ľrde, sondern mit einer "Perlenkette" von Atomm√§chten, die wahrscheinlich von der T√ľrkei bis nach Nordkorea reichen w√ľrde.

Wenn man die von d√ľsteren Prognosen verhangenen Konferenzr√§ume von Herzlija verl√§sst und in der israelischen Wintersonne durch das boomende Herz Israels f√§hrt, glaubt man, man sei einem Albtraum gl√ľcklich entronnen. Es ist schwer, das erfolgreiche und moderne Israel zusammenzudenken mit seiner st√§ndigen Bedrohtheit. Und so geht es auch vielen Israelis. Das Leben muss ja irgendwie weitergehen.

 


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